St. Georg Klosterkirche Lippoldsberg

 

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Klosterkirche Lippoldsberg

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Gemeinde - Chronik 2004

Klosterkirche steht Pate zur Jahreslosung

Die Evangelische Landeskirche von Kurhessen-Waldeck hat die Jahreslosung 2004 auf ihren Plakaten und Postkarten mit einem Bild aus den Lippoldsberger Nonnenkrypta illustriert.

Hier eine Meditation zu dem Bild vom Neujahrsmorgen in der Klosterkirche:

"Nonnen-Krypta"

Eine Krypta ist ein verborgener Raum,
in der Regel unter dem Hauptaltar einer Kirche gelegen.
Oft diente die Krypta als Grablege.
In der Zeit, in der diese Kirche gebaut wurde,
gab man die verborgenen Krypten auf;
Statt dessen wurden lichtere und besser zugängliche Seitenkapellen gebaut.
Auch die Eingangshalle, in die Bauelemente der Krypta eingingen,
diente als Grablege, vermutlich für besonders verdiente Konventsfrauen.

Wenn die Nonnen sich zum täglichen Chorgebet versammelten,
dann geschah das sozusagen "auf den Schultern" ihre Vorgängerinnen.
Ein "Memento Mori" bei gleichzeitiger Erfahrung von Kontinuität:
Auch wir, wie unsere Vorgängerinnen, vergehen wie Himmel und Erde
einst vergehen werden. Und doch singen wir am selben Ort die
gleichen Worte, Worte, die nicht vergehen, sondern die uns über den Tod hinaus verbinden. Denn in ihnen lebt ein Geist, der uns über die vergängliche Zeit hinweg hebt.

Jahreslosung 2004   Melodie aus dem Lippoldsberger Abendgebet

Klosterkirche Lippoldsberg - Antiphon Jahreslosung 2004: Himmel und Erde werden vergehen - meine Worte aber werden nicht vergehen

Ein Kreuz das nicht den Tod verkündet, sondern den Himmel erschließt

Welches sind nun diese Worte, die nicht vergehen?
Was ist dieser unvergängliche Geist?
Das Bild selbst gibt eine Interpretation:
Dort wo die einleitenden Worte stehen "Jesus Christus spricht",
richtet sich - infolge einer photographischen Verzerrung -
gegen den natürlichen Verlauf des Gewölbes ein kleines Kreuz auf.

Klosterkirche Lippoldsberg - Nonnenkrypta - Gewölbekreuz
Klosterkirche Lippoldsberg - Nonnenkrypta - Gewölbekreuz

Kreuzgratgewölbe, wie sie an fast allen Stellen der Lippoldsberger Basilika zu finden sind, sind eine architektonische Form mit symbolischer Bedeutung:
Der Boden der romanischen Kirche wird von Quadraten bestimmt.
Sie sehen, dass die Säulenfüße allesamt in Quadrate eingeschrieben sind.

Klosterkirche Lippoldsberg - Nonnenkrypta - Säulenbasen
Klosterkirche Lippoldsberg - Nonnenkrypta - Säulenbasen

Auch der Grundriss dieser Kirche ist aus lauter Quadraten zusammengesetzt,
Das Quadrat galt den mittelalterlichen Baumeistern
als ein Zeichen der geschaffenen Welt,
in der alles wohlgeordnet ist, der aber auch deutliche Grenzen gesetzt sind.
Der Himmel, in der Kirche die Gewölbe über den Quadraten,
dieser Himmel ist von dem alle Grenzen sprengenden Zeichen des Kreuzes bestimmt.

Auf dieses Kreuz wollte der Fotograf
mit der bewusst in Kauf genommenen Verzerrung hinweisen.
Auf das Kreuz, das gar nichts Dunkles hat,
sondern dessen Querarme sich weitausgreifend
und schützend über die Welt breiten.
Auch romanische Kruzifixe betonen nicht das Hängen,
die Schwere menschlichen Leids,
sondern den befreiten Sieg dessen, der die Welt überwunden hat.
Ein Kreuz, das nicht den Tod verkündet, sondern den Himmel erschließt.

Worte, die nicht vergehen

Indem der Fotograph Gerhard Jost
die Worte "Jesus Christus spricht" neben das Kreuz gesetzt hat,
weist er uns hin auf die Worte Jesu, die vom Kreuz sprechen,
Worte, die alle den einen Grundgedanken ausdrücken:

Wer sein Leben erhalten will, der wird's verlieren;
und wer sein Leben hingibt, der wird's erhalten.

Das Wort vom Kreuz ist eine paradoxe Aussage.
Es tritt jeweils genau das Gegenteil ein, von dem, was man erwartet.
Wenn wir etwas Wertvolles haben (und was wäre wertvoller als das Leben),
dann wachen wir eifersüchtig darüber, wollen wir es festhalten und schützen.
Und doch - all die Mauern und Sicherheitszäune, die wir errichten,
können das Leben am Ende nicht bewahren.

Mit logischem Denken können wir wohl unseren Alltag meistern,
aber in den Religionen brauchen wir eine andere, paradoxe Denkweise.
Man könnte sagen: Logik führt eventuell zum Erfolg,
während paradoxes Denken unser Leben gelingen lässt.
Es ist jene Denkweise, die uns zur Weisheit führt,
weil sie die Gegensätze, aus denen das Leben nun mal besteht, zusammenbringt.

Jesus mutet uns zu, genau das Gegenteil von dem zu tun,
was der gesunde Menschenverstand uns rät.
Der Volksmund spricht:

"Lieber den Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach."

Das ist schlau, aber nicht weise, weil das Leben so nicht funktioniert.
Jesus sagt: Das Weizenkorn, eingeschlossen in eine Schatulle, bleibt allein,
ausgesät, der Vergänglichkeit preisgegeben, entwickelt es sich hundertfältig.

Jesus formuliert das Gesetz des Lebens.
Es ist ein unvergängliches Gesetz,
das immer und überall Gültigkeit hat.
Es gilt für das Vergehen und Werden der Menschen,
ebenso wie für das Werden und Vergehen der Sterne.
Jesus formuliert das Gesetz des ewigen Lebens.

Und doch hat dieses Gesetz nichts Mechanisches an sich.
Man kann nicht schielen und sagen:
Na ja, eigentlich will ich ja nichts hingeben,
aber wenn ich dafür das ewige Leben kriege,
dann geb ich auch was her.

Es geht nicht um ein Geschäft der Öpferchen,
die pflichtschuldig und säuerlich gebracht werden!

Darum sagt Jesus: Wer sein Leben erhalten will, der wird's verlieren;
und wer sein Leben hingibt auf meine Weise (oder: im Sinne des Evangeliums),
der wird's erhalten und gewinnen als ewiges Leben.

Es geht um innerlich freies Loslassen, um Hingabe aus Liebe,
bei der die linke Hand nicht weiß was die rechte tut.
Nur mit dieser Haltung taucht man in den ewigen Fluss des Lebens ein
und wird man erstaunt vom Leben neu beschenkt werden.

Denn Gottes Lebensgabe ist immer wieder anders als unsere Erwartungen.
Und das ist gut so. Nur so wachsen wir über uns selbst hinaus.

Gott dient uns - darauf können wir vertrauen,
aber er bedient uns nicht.

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