Gemeinde - Chronik 2005
Lippoldsberg goes Kirchentag
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| | Aufbruch zum Kirchentag | |
In aller Herrgottsfrühe starteten am Samstag, den 28. Mai, drei Busse Richtung Hannover zum 30. Evangelischen Kirchentag. Anfängliche Müdigkeit war schnell weggeblasen und schon auf der Fahrt wurde die Stimmung recht ausgelassen und fröhlich.
Den ganz unterschiedlichen Interessen wurde der Kirchentag mit seinem riesigen Angebot auf jeden Fall gerecht. Pfarrer Christian Trappe hatte interessante Vorträge und Veranstaltungen vorab ausgewählt, denen man sich anschließen konnte. Manche gingen aber auch eigene Wege.

Einige Impressionen der Veranstaltungen, zu denen sich der größere Teil unserer Gruppe versammelte, seien hier genannt:
Morgenansprache - Jörg Zink
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| Jörg Zink | |
Vielen als begnadeter Theologe und Buchautor bekannt, gab Jörg Zink in seiner Ansprache zu bedenken, dass aufrechtes Handeln und Leben unabhängig von den Lebensumständen möglich ist. Seine Erlebnisse während der Kriegszeit und Begegnungen mit Menschen, denen trotz Angst und Folter, Hunger und Tod die innere Freiheit erhalten blieb, führten ihn zu dem tiefen Glauben, den er heute durch seine Publikationen und glaubwürdige Ausstrahlung mit vielen Menschen teilt.

Podiumsdiskussion - Beherztes Handeln
Hochkarätige Sprecher gaben eindrückliche Zeugnisse davon, dass Kontemplation, also die stille Einkehr im Gebet, nicht bedeutet, sich von der Welt zurückzuziehen.
Der Amerikaner Richard Rohr, Leiter eines "Zentums für Kontemplation und Aktion", brachte drei wirklich bedenkenswerte Aspekte ins Spiel:
- Es geht nicht um Kontemplation, es geht nicht um Aktion, es geht um das "und" dazwischen. Nur wenn beides zusammenkommt und wir die politische oder soziale Aktion aus der Einkehr zu Gott schöpfen, bzw. die Erfahrung der Nähe Gottes in Aktion umsetzen, entsteht ein fruchtbares Miteinander.
- Unser Verstand ist nicht in der Lage, in der Gegenwart zu sein. Entweder er sinnt über die Vergangenheit nach oder sorgt sich um die Zukunft. Das Gebet, sei es gesprochen oder still, ist vielleicht die einzige Möglichkeit, die Gedanken zur Ruhe und in die Gegenwart zu bringen.
- Wir kreieren vielerlei Probleme und erwarten, dass der selbe Kopf, der die Probleme schafft, sie auch wieder löst. Das kann nur gehen, wenn wir eine andere Sichtweise gewinnen, nämlich die, mit der Gott das Leben betrachtet.
Unterstrichen wurden diese Aspekte in einem Interview mit dem Jesuitenpater und Zen-Meister Niklaus Brantschen, dessen Schweizer Lasalle-Institut nicht nur Kurse in Kontemplation anbietet, sondern auch Friedenscamps und in Zusammenarbeit mit der UNO ein großes Friedensprojekt in Jerusalem.
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| | Schwester Karoline Meyer | |
In der anschließenden "Talkshow" mit vier weiteren Teilnehmern eroberte besonders die quirlige Nonne Schwester Karoline Meyer die Herzen der Zuhörer. Sie hat in Chile mit einfachsten Mitteln und zunächst als Einzelkämpferin ein großen soziales Netzwerk aufgebaut, das jetzt mit unzähligen Arbeitsplätzen und Einrichtungen den Armen neue Würde verleiht und sie bemächtigt, ihre Begabungen zu entdecken und zu nutzen.

Stimmungen
Atmosphäre schnuppern, Musik hören, Essen ... all das füllte die Mittagspause, bis sich einige der MitfahrerInnen zur nächsten Podiumsdiskussion wieder trafen.
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| Kontroverse Standpunkte | |
Bemerkenswert war die friedliche Stimmung, die das Messegelände in eine Art "Future-City" verwandelte, in eine Zukunfts- (Werk-)Stadt, in der zwar auch erregt debatiert wurde und in der durchaus unterschiedliche Standpunkte aufeinanderprallten, die aber unter dem Aspekt des Zuhörens und Respekts friedlich ausgetragen wurden.

Zukunft und Sicherheit
Highlight des Themas war der Besuch und die Rede unseres Außenministers Joschka Fischer. Grundtenor seiner Ansprache:
Das globale Zusammenrücken muss unter Berücksichtigung der derzeit technisch und wirtschaftlich unterentwickelten Länder geschehen. Wir haben kein Recht, ihnen diese Entwicklung zu verweigern.
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| | Beherzter Redner - Joschka Fischer | |
Auf der anderen Seite muss man aber klar sehen, dass die jetzige technische, ökonomische und vor allem ökologische Entwicklung der großen Staaten, würde sie auch in den armen Ländern verwirklicht, den Planeten Erde ganz schnell an den Rand des Abgrunds führen würde. Eine Zwickmühle, die nur durch Verzicht und äußerste Achtsamkeit der reichen Länder ohne Katastrophe aufgelöst werden kann.
Verweigert man diesen Staaten das Lebens- und Entwicklungsrecht, das die Industrienationen in Anspruch nehmen, muss immer wieder mit aufkeimendem Hass und Agression gerechnet werden, die letztlich zu kriegerischen Auseinandersetzungen führen.
Joschka Fischer wirkte ein bisschen wie der Prophet Jona, der das Volk Ninive vor dem Untergang warnte. Hoffen wir, dass Fischer gehört wird!
(Randnotiz: Im Gespräch mit etlichen Amerikanern und sogar Engländern musste ich erstaunt feststellen, dass sie noch nie von Fischer gehört haben. NW)

"Nachbarschaftstreffen"
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| Rosi Steinhaus | |
Erstaunlich - unter all den vielen tausend Menschen traf man unversehens immer wieder auf bekannte Gesichter, zum Beispiel die "Nachbarn" aus Vernawahlshausen, die den Kirchentag von Anfang bis Ende besuchten. Eine große Freude war es auch, dass sich Rosi Steinhaus für eine Weile der Gruppe anschloss.

Markt der Möglichkeiten
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| | Gospelchor | |
Die Konzentation des Kirchentags auf dem Messegelände machte es leicht, sehr viel Unterschiedliches zu sehen und sich über die Vielfalt christlicher Ausdrucksformen zu informieren. Sei es im musikalischen Bereich, spirituell, kreativ ... für jeden war etwas Interessantes zu entdecken.

Konzert mit Gerhard Schöne
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| Liedermacher Gerhard Schöne | |
Abschluss war das mitreißende Konzert mit dem Liedermacher Gerhard Schöne, der mit witzigen und nachdenklichen Liedern tausende von Zuhörern zum Mitmachen und Mitdenken anregte. Mit seiner exquisiten Band, denen die Spielfreude ins Gesicht geschrieben stand, war der Poet mit der sanften Stimme bestens begleitet.
Gerhard Schöne kann kindlich verspielt und ganz unschuldig wirken, dann aber auch wieder ernst und hintergründig.

Heimweg
Nach fast drei Stunden Hörgenuss war es Zeit, sich wieder auf den Weg zu machen, hindurch durch ein feines Unwetter aus pausenlosem Wetterleuchten und Sturzregen, bei dem noch einmal Dankbarkeit für den wunderbar sonnigen Tag aufkam.
Zum Abschluss des Berichts noch ein Zitat des Jesuitenpaters Niklaus Brantschen:
Du bist nur auf dem Berg gewesen, wenn du wieder unten ankommst. Du bist nur auf dem Kirchentag gewesen, wenn du wieder zu Hause bist und aus der Kraft schöpfst, die du hier sammeln durftest.
Nicola Watschong
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