St. Georg Klosterkirche Lippoldsberg

 

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Klosterkirche Lippoldsberg

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Raumkonzept Klosterkirche Lippoldsberg

Pläne des Kirchenvorstands in Absprache mit Bauberatung und Denkmalschutz

Klosterkirche Lippoldsberg - Grundriss  

Klosterkirche - Grundriss

Der Kirchenvorstand (KV) Lippoldsberg ist sich bewußt, dass die besondere Bedeutung (und Wirkung) des Kirchenraums in der Reinheit seiner Architektur liegt, die seit 850 Jahren weitgehend unverändert geblieben ist. Es sind nicht irgendwelche Ornamente oder Fresken, wegen denen die Besucher nach Lippoldsberg kommen, sondern die schlichte Erhabenheit der geometrischen Grundformen. Wir erkennen, dass die Renovierung von 1957/58 diese Schlichtheit sehr deutlich herausgearbeitet hat, indem die Ausmalung und alle ornamentale Einrichtung entfernt wurde.

Renovierungskonzept Innen

"Obwohl aus dem Mittelalter, wirken romanische Kirchen irgendwie reformiert." Dieser Gästebucheintrag aus dem Juli 2002 nimmt etwas Richtiges wahr. Schon die ursprüngliche romanische Anlage hatte in Lippoldsberg etwas Zurückhaltendes, wie sich z.B. an den Kapitellen (im Vergleich etwa zu Hammersleben) zeigt. "Der benediktinische Bau ist vom monastischen Geist des 12. Jahrhunderts geprägt: dem Versuch einer Rückkehr zum Einfachen, der sowohl den ursprünglichen Reformwillen Clunys als auch den Purismus der Zisterzienser kennzeichnete. Hier hat diese Rückbesinnung einen Kirchenraum von erhabener Schlichheit hervorgebracht, der sich durch den Bildersturm der Reformationszeit und nicht zuletzt dank einer einfühlsamen Restaurierung von 1958 bis heute bewahrt hat."

Keine Schwellen

Dem nicht einschüchternden Eingang entspricht die Zugänglichkeit des Altars. Dort gibt es keine hohen Stufen. Früher gab es einen Lettner, der aber nicht mehr da ist. Allein der Leuchterzaun stört noch. Auch die Kanzel paßt nicht in das offenen Konzept. Die Sakristei wird geöffnet.

Klosterkirche Lippoldsberg - Sakristei vor dem Abriss des 'Bunkers'
Sakristei vor dem Abriss des "Bunkers"

Klosterkirche Lippoldsberg - Sakristei nach der Renovierung
Sakristei nach der Renovierung

Schlichtheit

Der Kirchenvorstand hat sich in seinen Entscheidungen die Verpflichtung zur Schlichtheit zu eigen gemacht. Einem Grundsatzbeschluß zufolge, dürfen Bilder und thematische Objekte sehr wohl vorübergehend, aber nicht mehr auf Dauer in der Kirche installiert werden. Darin wird bewußt auch ein reformiertes Erbe der Gemeindetradition fortgesetzt, das durch die mauretianischen Reformen seine - wenn auch nun unsichtbaren - Spuren im Kirchenraum hinterlassen hat.

Leere

In Verfolgung dieses Grundsatzbeschlusses haben wir in den vergangenen Jahren manches Überflüssige aus dem Kirchenraum entfernt:

  • Plakate
  • Klosterkirchenmodell
  • Kokosläufer im Mittelgang
  • Holzbänke aus dem Querschiff entsorgt
  • Holzbänke vor der Heizungstür entsorgt (dort neue Stühle)
  • Holzstühle aus den Seitenschiffen entfernt
  • Pinnwand in der Nonnenkrypta
  • Sebastian-Relief in der Nonnenkrypta
  • Kleiderschrank mit Putzeimern in der Nonnenkrypta
  • Vorhang als Windfang am Westportal
  • Gitter vor den Fenstern am Westportal
  • Orgelempore ausgeräumt; Windladen ins Orgel-Archiv überführt
  • Spruch an Liedanschlagtafel entfernt
  • Stühle aus Altarraum
  • Sakristeibunker abgerissen und Sakristei-Apsis stark entleert
  • Stromanlage und Schaltkästen aus dem Kirchturm entfernt
  • 2x2 Gänsegitter von den Südportalen
  • 8 Bänke
  • Gummi-Fußmatten

Klosterkirche Lippoldsberg - Turmzugang mit Schaltkästen
Turmzugang mit Schaltkästen

Klosterkirche Lippoldsberg - Turmzugang nach Öffnung der Trennwand
Turmzugang nach Öffnung der Trennwand

Ziel dieser Entrümplung ist es, dem Raum größtmöglichen Raum zu geben - im Sinne von Lao-tse, der im 11. Spruch seines Buchs "Tao Te King" sagt:

Aus Steinen baut man das Haus -
aber die Leere zwischen den Wänden macht das Wesen des Hauses.

Mobilität

Dazu versuchen wir, alles für den Gottesdienst Nötige so transportabel wie möglich zu halten, damit es nach Gebrauch wieder verräumt werden kann.
Auch die Leuchter hinter dem Altar sollen flexibel verwendet werden, wie es ihrer ursprünglichen Konzeption entspricht. Sie können jetzt wahlweise hinter dem Altar, an den 4 Eckpunkten oder in der Sakristei aufgestellt werden.

Neuanschaffungen

Bei Neuanschaffungen von Inventar (wie z.B Radleuchter, Gesangbuchständer, Pulte, Meditationshocker, Sakristeieinbau) folgen wir den Kriterien eines minimalistischen Designs, wie sie von strengen spirituellen Gemeinschaften (Zen-Kunst, Shaker-Möbel, Bauhaus, liturgische Bewegung) immer wieder formuliert wurden: Funktionalität und formale Schlichtheit.

Alle neuen Einrichtungen tragen vorläufigen Charakter und sollen in Holz ausgeführt werden; u.z. in Eiche, unbehandelt, geölt. Ein bodenständiges Material, das mit der Zeit leicht angraut, entspricht in Natürlichkeit und Kraft am ehesten dem Sandstein. Die bisherige Holzgestalt dunkel gebeizt wird als Norm damit aufgegeben.

Ordnung

Die geometrische Symmetrie des Bauwerks spiegelt eine Ordnung wider, die auch sonst nach einer ordentlichen Raumgestaltung verlangt. Und wir sind dankbar, dass verschiedene Menschen den Kirchenraum täglich überprüfen und Nachlässigkeiten beseitigen. Die heilige Ordnung eines Kirchenraums ist jedoch nicht mit bürgerlicher Reinlichkeit gleichzusetzen. Vielmehr können auch die Urwüchsigkeit der Natur, die Patina des Gebrauchs und die Realität des Verfalls Teile dieser Ordnung sein. So darf eine jahrhundertealte Kirche z.B. auch Risse haben. Die brutalen Verputzfehler v.a. an der südlichen Innenmauer empfinden wir jedoch als schmerzlich.

Raumgestaltung

Durch die Zurückhaltung in Bezug auf die Raumgestaltung ist die Kirche nicht auf eine reduktionistische Frömmigkeit (via negativa) festgelegt, sondern - im Gegenteil - werden dadurch unterschiedlichste Füllungen ermöglicht: Konzentration für Musik, temporäre Bilderausstellungen, sowie Einsatz von Projektionstechnik, Beleuchtungsinstallationen, Schattenspiele etc.

Damit entspricht der Raum dem Gemeindekonzept "Klosterkirche".

[ Sanierung Dach | Sanierung Wand | Gebäudesanierung Innen ]

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