St. Georg Klosterkirche Lippoldsberg

 

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Klosterkirche Lippoldsberg

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Die Mauer

Risse in den Wänden

Die Rissbildungen in den Giebelwänden außen und innen waren schon seit langem sichtbar, wurden jedoch teilweise durch Mörtel und Putz überdeckt.

Klosterkirche Lippoldsberg - Riss im östlichen Giebel - innen
Klosterkirche Lippoldsberg - Riss im östlichen Giebel - innen

Besonders bedrohliche Risse wurden in der östlichen Giebelwand aufgedeckt, als man die Dachhaut der Hauptapsis entfernte. Direkt oberhalb der Apsis hatte sich ein dreieckiges Mauerstück gelöst, das nun zum Teil auf der Gewölbekappe lastete.

Klosterkirche Lippoldsberg - Riss im östlichen Giebel - außen
Klosterkirche Lippoldsberg - Riss im im östlichen Giebel - außen

Das abgesackte Stück wurde 'vernadelt', das heißt: Edelstahlstangen, die kreuz und quer in die Wand einbebaut wurden, verbinden das Teilstück wieder mit dem umgebenden Mauerwerk und verhindern ein weiteres Abrutschen.

An der südlichen Giebelwand wurde nach Entfernen des Innenputzes deutlich, dass die Rissbildung viel größere Ausmaße hat, als zunächst angenommen: Etwa vier Zentimeter klafften die Steine dort auseinander.

Klosterkirche Lippoldsberg - Riss im südlichen Giebel
Klosterkirche Lippoldsberg - Riss im im südlichen Giebel

Diese Risse wurden zum Teil mit Steinen verkeilt und sauber verfugt. Anschließend wurde an mehreren Stellen über kleine Schläuche flüssiger Mörtel eingespritzt, so dass die Hohlräume innen aufgefüllt wurden. Auf diese Weise wird der Kraftschluss zwischen den Steine wiederhergestellt und die Wand stabilisiert.

Für diese Arbeiten leider Gerüste im Innern notwendig. Denn bei den Verfüllarbeiten muss auch die Innenseite der Mauer kontrolliert werden, um einen eventuellen Mörtelaustritt ins Rauminnere rechtzeitig stoppen zu können.

Um ein weiteres Auseinanderdriften der Mauerbereiche zu verhindern, wurden zusätzlich Verbundanker aus Edelstahl mittels Kernbohrungen in die Wände eingeführt und gespannt.

Verfugungen der Außenwände

Um den Bestand des Gebäudes langfristig zu sichern, musste die Wasserführung der Fassade wiederhergestellt werden. Bei genauem Hinsehen erwiesen sich die Außenwände als ein Flickenteppich verschiedenster Reparaturmörtel. Das war weniger eine Schönheitsfrage, sondern offenbarte vielmehr ein nicht gelöstes und deshalb immer wiederkehrendes technisches Problem: Regenwasser lief nicht ab, sondern an vielen Stellen in die Wand hinein.

Der lehmhaltige Reparaturmörtel aus dem 19. Jahrhundert, der mit seiner roten Tönung das Erscheinungsbild der Kirche prägt, war zu weich; er sandete ab und wurde ausgewaschen. Der graue zementhaltige Mörtel, der an einigen Stellen zu finden war, war hingegen zu hart für den Sandstein; es kam zu Abplatzungen, bei dem die Fugenfüllung dann wie eine kleine Dachrinne Wasser in die Wand leitete.

Klosterkirche Lippoldsberg - neue Verfugung der Außenwand
Klosterkirche Lippoldsberg - neue Verfugung der Außenwand

Mittels chemischer Analysen konnte das ursprüngliche Mörtelmaterial gefunden werden. Der Orginalmörtel ist mit bloßem Auge relativ leicht an seiner hellen Färbung zu erkennen. Er zeigte die für die Bauzeit typische Pietra-rasa-Technik. Und seine Zusammensetzung stimmt mit dem im Innern der Wände vorgefundenen Mörtel überein.

Dieser ursprüngliche Mörtel hat eine so hohe Beständigkeit, dass er an manchen Stellen über 850 Jahre hin erhalten blieb. Er gab darum die Richtung vor für die anstehende Sanierung der Außenwände. Die aus romanischer Zeit erhaltenen Fugenflächen wurden belassen. Bei den neu zu verfugenden Flächen wurde ein Mörtel verwendet, der der Originalrezeptur möglichst nahe kommt.

September 2004 - Die Restaurierung des Mauerwerks ist abgeschlossen
Die Restaurierung des Mauerwerks ist abgeschlossen

Das äußere Erscheinungsbild der Kirche hat sich durch die neue Verfugung nicht unerheblich gewandelt. Während im 19. Jahrhundert durch die Verwendung des rötlichen Fugenmörtels eine Annäherung an die Farbe der Steine gesucht wurde, führt die Rückbesinnung auf die romanische Außengestalt zu mehr Kontrast. Mit der ursprünglichen Mörtelfarbe wird die Wand lebendiger, größer, aber auch unruhiger erscheinen. Eine Veränderung, die für die mit ihrer Kirche vertrauten Menschen in jedem Fall gewöhnungsbedürftig ist.

Kleine Mörtelkunde

"Pietra rasa" bedeutet "verstrichener Stein": Der nach dem Aufsetzen des Steins aus der Fuge hervorquellende Mörtel wurde verstrichen, wobei unter Umständen große Teile des Bruchsteins abgedeckt wurden. Um ein Fugenbild zu erhalten, wurde mit der Kelle ein künstlicher Fugenstrich in den feuchten Mörtel geritzt.

Klosterkirche Lippoldsberg - 'Pietra Rasa' Verfugung
Klosterkirche Lippoldsberg - 'Pietra Rasa' Verfugung

Zur Technik

Die verfugten Wandstücke werden mit Säcken abgehängt, die mehrere Wochen feucht gehalten werden, um ein langsames und gleichmäßiges Aushärten des Mörtels zu gewährleisten. Beim Trocknen der Fugen wird das Bindemittel (Kalk) an die Oberfläche geholt und bildet dort ein dichte "Sinterschicht". Sie muss während des Trocknungsprozesses zum richtigen Zeitpunkt entfernt werden, damit der Fugenmörtel ein den Sandsteinen entsprechendes Atmungsverhalten entwickeln kann.

Klosterkirche Lippoldsberg - Verhängung mit feuchten Säcken
Klosterkirche Lippoldsberg - Verhängung mit feuchten Säcken

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