Pfarrer
Christian Trappe

Christian Trappe - Sakristeigebet
"Mit einer katholischen Kindheit, einer atheistischen Jugend und einem evangelischen Studium habe ich gelernt, auf der Suche nach dem Lebendigen Grenzen zu überschreiten."

Arbeitsfeld Pfarrer:
Ich fühle mich weniger an eine Konfession gebunden, als vielmehr all den Menschen verbunden, die sich von der Jesusgeschichte inspirieren lassen. Und die durchaus nicht immer nur zur verfassten Kirche gehören. Ja, deren Geistesverwandte auch in ganz anderen großen Religionen zu finden sind.

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Christian Trappe
Märchengottesdienst im Tierpark | |
Dennoch arbeite ich gern als Pfarrer einer Kirche, weil man zur Weitergabe von heilsamen Lebenseinstellungen Formen braucht. Und ich merke wieder und wieder, wie viel Tiefes in den Traditionen steckt, die der Kirche im Laufe von Jahrhunderten zugewachsen sind.
Wir können von den in Traditionen gespeicherten Erfahrungen anderer lernen. Aber wir müssen den Mut haben, dass zu leben, was uns heute richtig erscheint. Und die Demut, umzukehren, wenn wir bessere Einsicht gewonnen haben.
"Als Christen sind wir nicht Irrtumsvermeider, sondern Wahrheitssucher." (Fulbert Steffenski)
Die Klosterkirche Lippoldsberg erlebe ich als im wörtlichen Sinn "Kloster-Kirche". Noch immer ist hier etwas vom monastischen Geist aus einer Blütezeit mittelalterlichen Christentums spürbar. Aber Lippoldsberg ist kein Kloster mehr und die Menschen hier wollen nicht als Mönche und Nonnen leben. Trotzdem gelingt es den Menschen hier im Dorf wie auch den Besuchern von außerhalb, immer wieder ein wenig von der Ruhe und Weisheit des Klosterlebens für den eigenen Alltag fruchtbar werden zu lassen.
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| | Waldenserkirche Gewissenruh | |
Der Pfarrer von Lippoldsberg ist seit jeher auch zuständig für die Gemeinde in Gewissenruh: eine Waldensergründung aus dem 18. Jahrhundert. Die Tradition reicht jedoch viel weiter zurück. Etwa zur selben Zeit, als in Lippoldsberg die Klosterkirche gebaut wurde, begann in Südfrankreich der Kaufmann Pierre Valdes, angeregt von dem Vorbild Jesu, seinen Besitz an die Armen zu verteilen und als Wanderprediger umherzuziehen. Ein Reformator, der seiner Zeit ein paar Jahrhunderte voraus war. Die nach ihm benannten Waldenser überlebten die Inquisition in den pietmontesischen Alpen, bis sie Jahrhunderte später im Zuge der Gegenreformation auch von dort vertrieben wurden. Einige verstreute Familien fanden schließlich hier an der Oberweser eine neue Heimat.
Der Gegensatz zwischen beiden Gemeindetraditionen zeigt die Spannbreite von Möglichkeiten, die aus demselben Geist erwachsen können: Unterwerfung unter eine Klosterregel, die lange Zeit die Kultur des Abendlandes sicherte, oder radikaler Verzicht auf alle große Kultur um der eigenen Gewissensfreiheit willen.
Das Kirchspiel ist ein Arbeitsfeld, das geistige Trägheit nicht aufkommen lässt.

Unser Herr Pastor( von Heiko Oertel, Gemeindepraktikant Frühjahr 2001)
Schon früh im Büro, denn dann hat er Elan,
er schreibt den KV-Bericht für den Dekan.
Da faxt ihm das Rentamt 'ne Information:
"Den Haushaltsplan bitte bis morgen!", und schon
weiß er: Jetzt sitze ich hier ein paar Stunden. -
Er ist an die höhere Weisung gebunden.
Dann versinkt er im Gelderzuweisungenraster. -
Das muß er schon können, unser Herr Pastor.
G'rad' ist er am Rechnen, da klingelt es schrill,
herein kommt ein Fernfahrer, der etwas will:
"Ich brauche ganz schnell so 'nen Patenschein,
ach bitte, Herr Pfarrer, könnt'n S'e so gut sein?
Ich bin extra früh da, hab' sonst keine Zeit,
und S'e sin' für sowas doch immer bereit."
Und prompt kriegt der den Wisch, steigt zufried'n in den Laster. -
Das muß er schon können, unser Herr Pastor.
Zurück zu den Zahlen, denkt er - weit gefehlt!
Indes hat jemand seine Nummer gewählt.
Und er geht auch ran, also dann, selber schuld.
Es spricht eine Stimme voller Ungeduld:
"Hier AfKD, bin der gleiche vom Vortag.
Wie weit ist für Pfingsten denn nun schon Ihr Vortrag?"
Dabei geht's um antikes Kirchenvorplatzpflaster. -
Das muß er schon können, unser Herr Pastor.
So geht es den Vormittag über bei ihm,
sehr viele Gespräche, und manche intim,
und die sind ihm wichtig, die führt er auch gern,
dazwischen jedoch mogeln sich auch mal Herr'n
mit Angeboten zu Versicherungsfragen,
zum Beispiel ein Schutz gegen Glockenlärmklagen.
Sowas wimmelt er ab, nichts wäre ihm verhasster. -
Das muß er schon können, unser Herr Pastor.
Am Nachmittag dann kommt ein Künstler vorbei,
der wünscht für 'ne Ausstellung die Sakristei,
und gleich noch das Kirchenschiff und sowieso
die Orgelempore: "Erst das hat Niveau.
Die Wirkung der Bilder in kirchlichen Strahlen
erreichen wir, wenn wir die Kirche bemalen:
Alles pink!", wünscht er sich. Kriegt er nicht? Na dann passt er. -
Das muß er schon können, unser Herr Pastor.
Danach steht Besuch für ihn auf dem Programm:
"Schon neunzig wird heute Frau Schmidt.", denkt er stramm,
und da darf die Kirche nicht fehlen, ist klar,
am Morgen war der Bürgermeister schon da.
"Nein so eine Freude, daß Sie mich besuchen!
Sie essen doch sicher auch ein, zwei Stück Kuchen?!
Komm' S'e rein, nehm' S'e Platz! Spielen Sie mit Canasta?" -
Das muß er schon können, unser Herr Pastor.
Nach acht Tassen Kaffee macht er sich dann auf,
es warten auf ihn Konfirmanden zuhauf:
die lärmen und spring'n im Gemeinderaum 'rum.
"Habt ihr dieses Lied denn gelernt?" "Nö, warum?"
"Schlagt jetzt die Gesangbücher auf, denn wir singen!"
Und heimlich weiß er doch: "Das wird ja nichts bringen."
Hintenrum nenn'n die Konfis ihn spöttisch ‚Ghostbuster'. -
Das muß er schon abkönnen, unser Herr Pastor.
Am Abend, wenn andere Fernsehen schau'n,
muß er sich mit Kirchenvorstehern 'rumhau'n.
Die wollen ihm zwar gar nichts Böses, und doch
gibt's da immer noch ein finanzielles Loch.
Im Haushaltsplan auf verlorenem Posten
steht nicht nur er, sondern auch noch die Pfosten,
die im Pfarrgarten modern - doch ihm fehlt der Zaster. -
Das muß er schon können, unser Herr Pastor.
Noch spät im Büro, und er stärkt sich mit Obst,
er schreibt einen Brief, und zwar an den Propst.
Denn der wollte wissen, wie es ihm gefällt
hier in seinem Pfarramt am Ende der Welt.
Jetzt schreibt er: "Gut, danke, was soll ich groß reden?
Es ist vielleicht nicht immer ganz wie in Eden,
doch ich mag meine Arbeit." Im Schreiben erblasst er -
denn das meint er ernsthaft, unser Herr Pastor.

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