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Auch aktuelle Erfahrungen in Mission und Ökumene machen die Notwendigkeit und Möglichkeit der Inkulturation deutlich, einer mit den örtlichen Lebens- und Erzähltraditionen vermittelten Ausformung des Christentums. Oft zeigt die künstlerische Ausgestaltung von Kirchen (z.B. der grüne Mann in Norwich oder im Gottsbürener Blätterdekor), wie das Christentum sich früher ganz selbstverständlich mit lokalen Besonderheiten zu verbinden vermochte. Darin liegt ein vitaler Zug kirchlichen Lebens. Die Kirche wird spirituell stärker, wenn sie zu lernen bereit ist, als wenn sie der Arroganz der Macht erliegt.
"Nicht Kinder nur, speist man mit Märchen ab." Das meinte schon Gotthold Ephraim Lessing. Märchen sind kein Kinderkram. Oder wenn, dann müssten wir wieder werden wie die Kinder, wie Jesu uns rät. Die archaischen Märchenstoffe führen zurück in eine sehr frühe Schicht von Erzähltraditionen und damit auch in frühe Denkmuster unseres Bewusstseins. Im Gegensatz zum Mythos treten im Märchen nicht geläuterte Götter- und Heroengestalten auf, sondern kleinere, einzelne Geister, in denen sich aber - ähnlich wie in Engelbildern - durchaus Teilaspekte Gottes finden lassen. Angeregt durch eine Neuentdeckung der Märchen von tiefenpsychologischer Seite (z.B. Bruno Bettelheim, Ingrid Riedel, Gidon Horowitz aus Göttingen), haben auch Theologen (Robert Bly, Richard Rohr, Axel Denecke) begonnen, sich intensiver mit dem mythologischen Substrat der Märchenstoffe zu befassen. In dem Maße wie Gott nicht mehr nur in der Höhe (als Spitze einer hierarchisch festgefügten Ordnung), sondern in der Tiefe der subjektiven Erfahrungen gesucht und gefunden wird, wird das Unbewusste als Quellort religiöser Erkenntnis bedeutsam.
Darstellung
Das Nach- und Ineinander von erzählerunterstütztem Spiel und Interpretation ermöglicht es, die körperlichen, geistigen und seelischen Aspekte des Märchens in großer Dichte miteinander zu entfalten. Musikalisch begleitet wird der Gottesdienst vom Posaunenchor Lippoldsberg. Die Märchengottesdienste werden durchgeführt vom Ev. Gesamtverband Oberweser in Zusammenarbeit mit dem Landkreis Kassel als dem Träger des Tierparks Sababurg.
Rückblick In unseren Märchengottesdiensten wird im jährlichen Wechsel eines der bekannten und eines der unbekannteren Märchen der Gebrüder Grimm ausgewählt. Bislang waren es:
1998 Rumpelstilzchen
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