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3. Sonntag nach Epiphanias - Fülle des Lebens

Die Texte dieses Sonntags sind ausgerichtet auf ein typisches Epiphanias-Motiv, das schon in der Geschichte von den drei Weisen aus dem Morgenland aufscheint: Gottes Geist greift über Grenzen hinaus und wird vor aller Welt sichtbar.

Der christliche Glaube überschreitet sehr früh den Rahmen einer jüdischen Sekte und gewinnt einen weltweiten Horizont. Das ist gut und richtig, aber auch gefährlich. Denn die Kirche hat sehr bald neue Grenzen gezogen zwischen sich - und den Heiden.

Auf einmal war es wieder da, jenes Wort, das einst die Nicht-Juden, jetzt aber alle Nicht-Christen zusammenfasste. Und die revolutionäre Erfahrung ging dabei verloren: Dass man den richtigen Geist oft gerade dort findet, wo man ihn nicht erwartet.

Der Gedanke einer weltweiten Gemeinschaft der Glaubenden (Ökumene) ist eine Utopie, eine bleibende Herausforderung, immer wieder Engstirnigkeit und alle Selbstgerechtigkeit zu überwinden. Das klingt gut, ist aber im Einzelnen ein schmerzhafter Prozess. Es ist gut, wenn es schmerzt.

Wochenspruch:

Es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tische sitzen werden im Reich Gottes. Lk 13,29

Christus und der Hauptmann von Kapernaum; Egbert- Codex
Christus und der Hauptmann von Kapernaum
Egbert- Codex

Evangelium: Der Hauptmann von Kapernaum (Mt 8,5-13)

Als Jesus nach Kapernaum hineinging, trat ein Hauptmann zu ihm; der bat ihn und sprach: Herr, mein Knecht liegt zu Hause und ist gelähmt und leidet große Qualen. Jesus sprach zu ihm: Ich will kommen und ihn gesund machen.

Der Hauptmann antwortete und sprach: Herr, ich bin nicht wert, dass du unter mein Dach gehst, sondern sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund. Denn auch ich bin ein Mensch, der Obrigkeit untertan, und habe Soldaten unter mir; und wenn ich zu einem sage: Geh hin!, so geht er; und zu einem andern: Komm her!, so kommt er; und zu meinem Knecht: Tu das!, so tut er's.

Als Jesus das hörte, wunderte er sich und sprach zu denen, die ihm nachfolgten: Wahrlich, ich sage euch: Solchen Glauben habe ich in Israel bei keinem gefunden! Aber ich sage euch: Viele werden kommen von Osten und von Westen und mit Abraham und Isaak und Jakob im Himmelreich zu Tisch sitzen; aber die Kinder des Reichs werden hinaus gestoßen in die Finsternis; da wird sein Heulen und Zähneklappern.

Und Jesus sprach zu dem Hauptmann: Geh hin; dir geschehe, wie du geglaubt hast. Und sein Knecht wurde gesund zu derselben Stunde.

Synagoge von Kapernaum
Synagoge von Kapernaum

Interpretation

Der Evangelist Matthäus schreibt für eine Gemeinde von Juden, die Christus als den von Gott verheißenen Messias ansehen. Sie machen mit der Zeit die schmerzhafte Erfahrung, dass sich nicht alle ihrer jüdischen Brüder und Schwestern auf den neuen Weg einlassen wollen. Ihr Überzeugungseifer stößt auf Grenzen, Ablehnung, Widerstand, vielleicht Verfolgung.

Die juden-christliche Gemeinde macht nun zugleich die Erfahrung, dass sich andere, nichtjüdische Menschen für die Worte Jesu aufgeschlossen zeigen. Wie soll man damit umgehen? Die Geschichte vom Hauptmann von Kapernaum spiegelt genau diese Situation wider. Jesus wendet sich dem Fremden zu.

Wenn die Christen in der Gemeinde des Matthäus das gleiche tun, geraten sie in einen Konflikt mit ihren jüdischen Wurzeln. Die Ablösung der christlichen Gruppe aus dem jüdischen Umfeld geschieht unter gewaltigen Emotionen - und Selbstzweifeln. Und so erklären die aggressiven Worte, die nun in die Geschichte einziehen: "Viele werden kommen von Osten und von Westen und mit Abraham und Isaak und Jakob im Himmelreich zu Tisch sitzen; aber die Kinder des Reichs werden hinaus gestoßen in die Finsternis; da wird sein Heulen und Zähneklappern."

Das Matthäus-Evangelium ist an vielen Stellen geprägt von Polemik gegenüber jüdischen Gruppen (Pharisäern, Schriftgelehrten etc.). Verständlich ist das aus der historischen Situation eines innerjüdischen Ablösungskonflikts heraus. Wie ein pubertärer Aufbruch in die Eigenständigkeit meist nicht ohne Aggression und unschöne Szenen auskommt, so auch hier.

Wenn aber ein Dreißigjähriger noch immer gegen seine Eltern wütet, sagt man sich zu Recht: Irgendwas ist bei dem schief gelaufen. In der Entwicklung des Christentums ist etwas schief gelaufen, als die antijudaistische Polemik durch die Kanonisierung der neutestamentlichen Schriften zu einer bleibenden Norm erhoben wurde. Die Folgen sind unübersehbar verheerend.

Jesus hat, wenn er Kritik an Israel geübt hat, über seine religiöse Tradition gesprochen; wenn wir uns diese Aussagen zu eigen machen wollen, müssen wir sie kritisch auf unsere eigene, christliche Tradition beziehen.

Internationaler Holocausttag (27. Januar)

Am 27. Januar 1945 wurde das Konzentrationslager Auschwitz, in dem die Nationalsozialisten mehr als eine Million Menschen ermordeten haben, durch die Rote Armee befreit. Seit 2006 wird an diesen Tag, auf Betreiben der UN-Vollversammlung, weltweit der Shoah gedacht, um die Erinnerung daran für künftige Generationen aufrecht zu erhalten. Dieser Gedenktag liegt in zeitlicher Nähe zum 3. Sonntag nach Epiphanias.

Auschwitz am Tag der Befreiung
Auschwitz am Tag der Befreiung

Gebet

Herr, ich bin nicht würdig, dass du eingehst unter mein Dach, aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund. (aus der katholischen Messliturgie)

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Gottesdiensttermine in der Epiphaniaszeit

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