Radleuchter Klosterkirche Lippoldsberg

 

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Klosterkirche Lippoldsberg

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Heilige sind nicht gleich Heilige

Wer der Heiligen im Gottesdienst gedenken will, steht vor der Qual der Wahl. Da sind zunächst die großen Heiligengestalten, die von einem ganz besonderen Nimbus umgeben sind, weil sie geradezu zum Synonym für einzelne Aspekte des christlichen Glaubens geworden sind:

Erzengel Michael
Erzengel Michael

Franz von Assissi
Franz von Assissi

Elisabeth von Thüringen
Elisabeth von Thüringen

  • Michael, streng genommen kein Heiliger, sondern eine mythologische Engelsgestalt, die den letzten Sieg der Gotteskräfte in dem anhaltenden Kampf zwischen Gut und Böse verkörpert
  • Franziskus von Assisi, der die selbstgewählte Armut als spirituellen Weg wiederentdeckt hat
  • Elisabeth von Thüringen, deren Nächstenliebe in der Nachfolge Christi die sozialen Schranken überwandt
  • St. Martin, uns von Kindesbeinen an als Mantelteiler vertraut, während seine Bekehrung vom Krieger zu einem Kämpfer mit friedlichen Mitteln für viele noch neu zu entdecken ist
  • Und natürlich: Nikolaus, eine weitgehend fiktive Gestalt, die zu immer neuen Legendenbildungen anregte und heute - trotz mancherlei Verzerrungen - als gütige Helferfigur über alle konfessionellen Grenzen hinaus bekannt ist
  • Oder auch: Peter und Paul, deren gemeinsamer Feiertag (30.6.) immer ein guter Anlass für ökumenische Gottesdienste sein wird

St. Martin
St. Martin

Nikolaus von Myra
Nikolaus von Myra

Petrus und Paulus
Petrus und Paulus

Einige Heiligengestalten sind durch eine glückliche Platzierung im Kirchenjahr so hervorgehoben, dass man ihrer regelmäßig liturgisch gedenken kann.

Die Sommersonnenwende z.B. ist mit dem Johannistag genial besetzt. Nicht nur, dass der zeitliche Abstand der Geburt des Vorläufers zur Geburt Jesu biologisch stimmt. Auch die Kraft des Feuerkopfs Johannes passt zu diesem Fest im Jahreshöhepunkt, während das Motto des Täufers - allen Tendenzen zur Glorifizierung irdischer Kraft trotzend - demütig auf die Vergänglichkeit verweist:

"Er (Christus) muss wachsen, ich aber muss abnehmen." (Joh 3,30)

Mit anderen Heiligenfiguren ist ein besonderes Brauchtum verbunden, das immer wieder auch im Gottesdienst vorkommen kann: z.B. am 4.Dezember, dem Tag von St. Barbara, deren Blütenzweigbrauch vom Evangelium des 2.Advents (Lk 21,29-31) abgeleitet ist. Mancherorts werden an diesem Tag Kirschbaumzweige in der Kirche aufgestellt bzw. an die Gottesdienstbesucher ausgeteilt.

Oft sind es anstehende Jubiläen, die uns auf eine Gestalt aufmerksam machen. So z.B. die 900-Jahr-Feier der Hildegard von Bingen 1998, übrigens einer Glaubenszeugin, die nie von Rom heiliggesprochen wurde.

Johannes der Täufer
Johannes der Täufer

Sankt Barbara
Sankt Barbara

Hildegard von Bingen
Hildegard von Bingen

Überhaupt ist der Blick in den katholischen Heiligenkalender - wegen der Fülle der darin versammelten Gestalten - zuweilen recht verwirrend. Denn er enthält auch Heiligenfiguren (z.B. Valentin), die inhaltlich beim besten Willen nichts hergeben.

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